Inkscape beinhaltet ein Werkzeug, mit dem Sie ein Bitmap-Bild in ein <Pfad>-Element Ihrer SVG-Zeichnung umwandeln können. Diese kurzen Ausführungen sollen Ihnen dabei helfen, damit vertraut zu werden.

Derzeit setzt Inkscape potrace, eine Bitmap-Vektorisierungprogramm von Peter Selinger (http://potrace.sourceforge.net) ein. In Zukunft möchten wir alternative Vektorisierungsprogramme einsetzen, jedoch ist im Moment dieses Werkzeug für unsere Ansprüche mehr als ausreichend.

Denken Sie daran, dass die Herangehensweise eines Vektorisierungsprogramms weder die Reproduktion des Orginalbildes sein kann, noch ist es beabsichtigt, von vornherein ein hundertprozentiges Endergebnis zu erhalten. Kein automatisiertes Vektorisierungsprogramm ist dazu in der Lage. Es erstellt einen Satz an Kurven, den Sie als Ausgangsmaterial für die Weiterverarbeitung Ihrer Zeichnung nutzen können.

Potrace interpretiert ein Schwarzweiß-Bitmap und wandelt es in Pfade um. Es hat für die Konvertierung eines Rohbildes drei Arten von Inputfiltern.

Generell kann man sagen, je höher der Anteil dunkler Pixel im Zwischenbild-Bitmap ist, desto höher ist die Vektorisierungsleistung von potrace. Steigt der Vektorisierungsanteil, wird der CPU eine höhere Rechenleistung abverlangt und dadurch wird auch das <Pfad>-Element sehr viel größer. Um die gewünschte Proportion und Komplexität des Ergebnispfades zu erreichen, raten wir dem Benutzer, zuerst mit einem schwächer schwarzgefärbten Zwischenbild zu experimentieren, und gegebenenfalls den Schwarzanteil graduell zu erhöhen.

Laden oder importieren Sie das Bild, das Sie vektorisieren wollen, markieren es, und wählen Pfad > Bitmap vektorisieren, oder Shift+Alt+B.

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Ihnen stehen drei Filter zur Verfügung:

Dieser verwendet lediglich die Summe der Rot-, Grün- und Blau-Anteile der Pixel (oder Grauschattierungen) als Indikator und überprüft, ob diesem Bereich entweder schwarz oder weiß zugeordnet werden soll. Der Schwellwert kann zwischen 0,0 (schwarz) bis 1,0 (weiß) eingestellt werden. Je höher der Schwellwert, desto niedriger ist die Anzahl der Pixel, die als weiß eingestuft werden und das Zwischenbild wird dunkler.

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Dieser Filter verwendet einen von J. Canny beschriebenen Kantenerkennungs-Algorithmus, der auf schnelle Art und Weise die sogenannten Isoklinen (Linien gleicher Neigung) des Kontrastes aufspürt. Es wird ein Zwischenbild produziert, das dem Orginal weniger nahe kommt, wie das bei dem Ergebnis des Filters über Bildhelligkeit der Fall ist, aber es erzeugt eine Kurveninformation, die anderenfalls verloren ginge. Die Grenzwerte hier (0,0 - 1,0) passen den Helligkeitgrenzwert an und entscheiden, ob angrenzende Pixel zu einer kontrastreichen Kante mit in das Ergebnis eingeschlossen werden. Diese Einstellungen können die Dunkelheit oder die Kantendicke des Endergebnisses beeinflussen.

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Als Ergebnis produziert dieser Filter ein anderes Zwischenbild als bei den vorherigen Varianten, aber er ist im Prinzip auch sehr nützlich. Statt über Isoklinen der Helligkeit und des Kontrasts zu suchen, erzeugt dieser Filter bei gleichen Helligkeits- und Kontrastwerten an Farbwechseln Kanten. Die Einstellung der Anzahl der Farben entscheidet darüber, wieviele Farben sich im Endergebnis befinden würden, wenn das Zwischenbild ein Farbbild wäre. Anschließend entscheidet sich, ob schwarz/weiß einen geraden oder ungeraden Index der Farbe erhält.

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Der Benutzer sollte alle drei Möglichkeiten der Filterwahl ausschöpfen und die verschiedenen Endergebnisse mit dem Ursprungsbildes vergleichen. Es wird immer ein Bild dabei herauskommen, bei dem ein Ergebnis besser ist als bei den anderen Filtermöglichkeiten.

Dem Anwender wird nach dem Vektorisierungsvorgang geraten, auf das Ergebnis Pfad > Vereinfachen (Strg+L) anzuwenden, um die Anzahl der Knoten zu verringern. Dadurch kann das potrace-Ergebnis viel leichter weiterverarbeitet werden. Zum Beispiel ist hier eine Bitmap-Vektorisierung eines alten Mannes, der Gitarre spielt:

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Beachten Sie die große Anzahl der Knoten in einem Pfad. Nach dem Drücken von Strg+L ist dies ein typisches Ergebnis:

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Die Darstellung ist ein wenig grob, aber die Zeichnung ist nun viel einfacher zu bearbeiten. Vergessen Sie nicht, dass Sie kein exaktes Rendering Ihres Bildes erzielen, sondern einen Satz an Kurven, den Sie für Ihre Zeichnung weiterverwenden können.